Glossar
Glossar: Begriffe rund um elektrische Seilwinden einfach erklärt
Fachbegriffe stehen in jeder Produktbeschreibung, erklärt werden sie selten. Dieses Glossar übersetzt die wichtigsten Begriffe rund um elektrische Seilwinden in einfache Sprache – alphabetisch sortiert und mit den Quellen, auf die sich die Erklärungen stützen.
Die Begriffe unten sind alphabetisch sortiert. Jede Erklärung stützt sich auf eine Herstelleranleitung, ein Gesetz, eine Vorschrift oder ein Nachschlagewerk; wo eine Zahl steht, nennen wir den Hersteller dazu. Die wichtigsten Quellen findest du am Ende der Seite.
Der wichtigste Unterschied zuerst
Zwei Begriffe entscheiden über alles andere: Zugwinde und Seilhebezug. Beide heißen im Handel oft „elektrische Seilwinde“, sind aber nicht austauschbar. Die Zugwinde zieht, der Seilhebezug hebt. Warum das für die Sicherheit zählt, erklären wir unter Seilwinde oder Seilzug und in den Regeln unter Sicherheit.
Begriffe nach Thema
Last und Kraft: Nennzugkraft, erste Seillage, rollende und tote Last, zulässiges Gesamtgewicht und Doppelstrang. Wie du daraus die passende Zugkraft rechnest, steht unter Zugkraft berechnen; warum die Kraft mit vollem Seil sinkt, unter Was bedeutet die erste Seillage?. Wie die Umlenkrolle Kraft und Tempo verändert, zeigt die Seite Umlenkrolle.
Betrieb und Technik: Aussetzbetrieb S3, Endabschaltung, Freilauf, Not-Halt, Magnetspule und Laufkatze. Was die Pausenangabe auf dem Typenschild bedeutet, steht unter Einschaltdauer; wie ein Seilzug auf einem Träger fährt, unter Seilzug mit Laufkatze.
Seil: Seildämpfer, Hawse-Seilführung und Betriebskoeffizient. Die Unterschiede der Seilarten vergleichen wir unter Kunststoffseil oder Stahlseil.
Prüfung und Kennzeichnung: CE-Kennzeichnung, GS-Zeichen und Sachkundiger. Was das GS-Zeichen aussagt, erklärt Was bedeutet das GS-Zeichen?; wer einen Seilzug wann prüfen lassen muss, steht unter Prüfpflicht.
Weitere Antworten auf typische Fragen findest du unter Fragen und Antworten, alle Gerätearten im Überblick auf der Startseite.
- Aussetzbetrieb (S3)
- Betriebsart elektrischer Seilwinden: Laufzeit unter Last und Pause wechseln sich ab. S3 20 % heißt bei Einhell, dass das Gerät von zehn Minuten höchstens zwei unter Last läuft. Den Wert des eigenen Geräts zeigt das Typenschild.
- Betriebskoeffizient
- Verhältnis zwischen der Last, die ein Bauteil hält, und der Last, für die es zugelassen ist. Für Drahtseile von Hebezeugen samt Endverbindung nennt die Maschinenrichtlinie 2006/42/EG in der Regel den Wert 5. Die Reserve ist für Verschleiß und Stöße da, nicht für Mehrlast; sie gilt für Hebezeuge, nicht für Zugwinden.
- Bohrwinde
- Seilwinde ohne eigenen Motor, die ein Akkuschrauber oder eine Bohrmaschine antreibt. Berger & Schröter nennt für seine Bohrwinde 225 daN auf der ersten und 180 daN auf der letzten Seillage und schreibt, sie nicht als Hebezug zu benutzen.
- CE-Kennzeichnung
- Pflichtkennzeichnung, mit der der Hersteller erklärt, dass sein Gerät die einschlägigen EU-Anforderungen erfüllt. Anders als das GS-Zeichen ist sie nicht freiwillig.
- Doppelstrang
- Seilführung über eine lose Umlenkrolle zurück zum Gerät. Die Last verteilt sich auf zwei Seilstränge: Die Tragkraft verdoppelt sich, Hubhöhe und Geschwindigkeit halbieren sich. Daher stammt die zweite Zahl in Angaben wie „125/250 kg“.
- Endabschaltung
- Schalter, der den Seilhebezug am oberen oder unteren Ende des Hubwegs stoppt. Beim Güde GSZ 300/600 ist die Endabschaltung laut Anleitung außer Funktion, wenn mit Umlenkrolle gearbeitet wird.
- Erste Seillage
- Die innerste Lage des Seils auf der Trommel. Nur dort gilt die Nennzugkraft einer Zugwinde; mit jeder weiteren Lage sinkt sie. Berger & Schröter nennt für seine 12-V-Winde 1361 kg auf der ersten und 622 kg auf der letzten Lage.
- Freilauf
- Kupplungsstellung, in der die Trommel vom Getriebe getrennt ist, sodass du das Seil von Hand abziehen kannst. Berger & Schröter schreibt, den Freilauf nie einzuschalten, während noch eine Last am Seil hängt.
- GS-Zeichen
- Freiwilliges Zeichen „Geprüfte Sicherheit“. Nach § 20 Produktsicherheitsgesetz erkennt es eine GS-Stelle auf Antrag des Herstellers zu. Ein Gerät ohne GS ist nicht unzulässig, und GS ist kein Sicherheitsversprechen.
- Hawse-Seilführung
- Seilführung ohne Rollen, mit einer glatten Öffnung und großem Radius. Der Windenhersteller WARN empfiehlt sie für Kunststoffseile; Rollen-Seilführungen sind laut WARN für Stahlseile gebaut.
- Hebezeug
- Gerät zum Heben und Bewegen frei hängender Lasten, etwa Seilhebezug, Kettenzug oder Laufkatze. Frei hängende Lasten hebst du nur mit einem Hebezeug, das dafür gebaut und gekennzeichnet ist.
- Laufkatze
- Fahrwerk, das auf dem unteren Flansch eines Stahlträgers läuft und einen Seilzug waagerecht mitnimmt. Güde nennt für seine elektrische Laufkatze GLK 1000 Träger der Profile IPN 160 bis 240 und verlangt Endanschläge an der Laufbahn.
- Magnetspule (Relais)
- Bauteil in der Steuerung einer 12-V-Winde zwischen Batterie und Motor. Laut Berger & Schröter trennt sie die Winde von der Autobatterie, wenn die Winde nicht benutzt wird, und gehört direkt neben die Batterie. Den Anschluss beschreibt die Herstelleranleitung.
- Nennzugkraft
- Größte Zugkraft einer Zugwinde laut Hersteller, gemessen auf der ersten Seillage. Der Hersteller WARN empfiehlt als Faustregel mindestens das zulässige Gesamtgewicht der Last mal 1,5.
- Not-Halt
- Taster, der die Bewegung des Geräts sofort stoppt. Bei Seilhebezügen wie dem Einhell TC-EH 250 sitzt er laut Hersteller am Bedienschalter; manche Funksender haben eine eigene Not-Taste.
- Rollende Last und tote Last
- Rollende Last meint ein Gewicht auf Rädern, tote Last ein Gewicht, das nicht rollt und deshalb deutlich mehr Zugkraft verlangt. Wiltec nennt für seine Anhängerwinde 61002 4990 kg rollende, aber nur 1588 kg tote Last. Große Zahlen im Angebotstitel meinen oft die rollende Last.
- Sachkundiger
- Nach DGUV Vorschrift 54 eine Person, die aufgrund ihrer fachlichen Ausbildung und Erfahrung ausreichende Kenntnisse über Winden und Hebezeuge hat. Im Betrieb prüft sie Winden vor der ersten Inbetriebnahme und mindestens einmal jährlich; die Pflicht trifft den Unternehmer.
- Seildämpfer
- Schweres Tuch, Decke oder Jacke über dem gespannten Seil, die bei einem Seilriss den Rückschlag dämpfen soll. Berger & Schröter empfiehlt, sie etwa 1,5 m vor dem Haken über das Seil zu legen. Jedes reißende Seil kann zurückschlagen, egal aus welchem Material.
- Seilhebezug
- Elektrisch betriebenes Hebezeug mit Seiltrommel, im Handel auch elektrischer Seilzug oder elektrischer Flaschenzug. Er hängt an einem Rohr oder Träger und hebt frei hängende Lasten senkrecht, meist mit 230 V.
- Seilwinde
- Allgemein eine Vorrichtung, mit der man mithilfe eines Seils etwas ziehen kann. Eine elektrische Seilwinde wickelt ein Stahl- oder Kunststoffseil mit einem Elektromotor auf eine Trommel.
- Spillwinde (Treibscheibenwinde)
- Bauform, bei der das Seil um ein Spill geschlungen und erst danach auf einer Haspel aufgewickelt wird; die Zugkraft kommt vom Spill.
- Umlenkrolle
- Rolle, über die das Seil zum Gerät oder zu einem Ankerpunkt zurückläuft. Am Seilhebezug ergibt sie den Doppelstrang, an der Zugwinde bringt sie bei richtiger Seilführung bis zu doppelte Zugkraft, jeweils bei halbem Tempo.
- Zugwinde
- Seilwinde, die Lasten über Boden oder Rampe zieht, meist mit 12 V an einer Fahrzeugbatterie. Sie ist nicht zum Heben gebaut: Berger & Schröter schreibt, die 12-V-Winde niemals zum Anheben von Lasten oder Personen zu benutzen.
- Zulässiges Gesamtgewicht
- Höchstes Gewicht, das ein Fahrzeug samt Ladung haben darf; es steht im Fahrzeugschein im Feld F.2. Für die Zugkraft-Faustregel rechnest du mit diesem Wert, nicht mit dem Leergewicht.
Fragen aus der Praxis
Gibt es ein anderes Wort für Seilwinde?
Im Handel heißen elektrische Seilwinden auch elektrische Winde, Elektro-Seilwinde oder Motorwinde. Allgemein ist eine Seilwinde eine Vorrichtung, mit der man mithilfe eines Seils etwas ziehen kann. Geräte, die frei hängende Lasten heben, heißen fachlich Hebezeug; die elektrische Ausführung mit Seil nennen Hersteller Seilhebezug oder elektrischen Seilzug.
Was ist der Unterschied zwischen Zugwinde und Seilhebezug?
Die Zugwinde zieht Lasten über Boden oder Rampe und läuft meist mit 12 V an einer Fahrzeugbatterie. Der Seilhebezug hängt an einem Träger und hebt frei hängende Lasten senkrecht, meist mit 230 V. Zum Heben ist nur der Seilhebezug gebaut; Berger & Schröter schreibt etwa, die 12-V-Winde nicht als Hebezug zu benutzen.
Was bedeutet S3 20 % auf dem Typenschild?
S3 steht für Aussetzbetrieb. Bei Einhell heißt S3 20 %: Von zehn Minuten darf der Seilhebezug höchstens zwei Minuten unter Last laufen, danach braucht er eine Pause. Den Wert deines Geräts zeigt das Typenschild. Pallit nennt für den MOBILE S3 25 %, also höchstens zweieinhalb von zehn Minuten.
Belege und Quellen
- [1]Berger & Schröter: Bedienungsanleitung 12-V-Seilwinde 31779 (B260200132, PDF)
- [2]Einhell Service: Seilhebezug TC-EH 250 (2255130), technische Daten
- [3]DGUV Vorschrift 54 (BGV D8), § 23 Prüfungen
- [4]Produktsicherheitsgesetz, § 20 Zuerkennung des GS-Zeichens
- [5]Maschinenrichtlinie 2006/42/EG, Anhang I Abschnitt 4, Nr. 4.1.2.5
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- ÜberblickFragen & AntwortenFragen rund um elektrische Seilwinden und Seilzüge – kurz beantwortet, mit Quellen belegt und mit Links zu den ausführlichen Seiten.
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- VergleichSeilwinde oder SeilzugSeilwinde oder Seilzug? Die Zugwinde zieht über Boden und Rampe, der Seilhebezug hebt frei hängende Lasten. Unterschiede, Lastangaben und welches Gerät du brauchst.
- Über unsSo bewerten wirWie unsere Empfehlungen zu Seilzügen und Zugwinden entstehen: Kriterien, Quellen, Umgang mit Anbieterangaben und was wir bewusst nicht tun.
Wer hier auswertet
Redaktion seilwinde-elektrisch.de
Kaufberatung Seilwinden & Hebezeuge
Wir sind die Redaktion von seilwinde-elektrisch.de. Wir werten Datenblätter und Bedienungsanleitungen der Hersteller, Vorschriften wie DGUV Vorschrift 54, Produktsicherheitsgesetz und Maschinenrichtlinie sowie Händlerdaten aus und trennen dabei konsequent zwischen Heben und Ziehen. Eigene Labor- oder Praxistests machen wir nicht, und das sagen wir offen.
- Datenblätter & Anleitungen ausgewertet
- Vorschriften im Originaltext gelesen
- Keine eigenen Tests – offen gesagt
- Anbieterangaben im Impressum